aus der Broschüre

Die AA-Gruppe

Welche betrauten Diener brauchen wir?

Die Mitwirkung der Mitglieder ist erforderlich. Dadurch ist sichergestellt, dass Dienste in der Gruppe übernommen werden. Dabei sind sich die meisten von uns einig darüber, dass AA niemals „organisiert“ werden sollte. Doch auch ohne die Gefährdung unserer Verpflichtung zur Erhaltung unserer spirituellen und demokratischen Gemeinschaft können wir „Dienst-Ausschüsse und -Komitees bilden, die denjenigen verantwortlich sind, welchen sie dienen“ (Neunte Tradition). Dafür werden in der Regel von der AA-Gruppe die betrauten Diener, manchmal Leiter genannt, für eine begrenzte Dienstzeit gewählt. Wobei uns die Zweite Tradition daran erinnert:

„Unsere Vertrauensleute sind nur betraute Diener, sie herrschen nicht.“

Jede Gruppe bestimmt selbst die minimale Dauer der Nüchternheit für die Eignung von AA-Mitgliedern für einen Dienst (oder eine Leitung). Eine generelle Vorgabe könnte hier die dauerhafte Nüchternheit von über sechs Monaten bis zu einem Jahr, oder länger sein.

Die Dienste können Titel haben. Titel in AA jedoch bringen keine Macht oder Ehre mit sich, sie beschreiben Dienstaufgaben und Verantwortlichkeiten. Und es hat sich gezeigt, dass es keinen Sinn hat, Mitgliedern einen Dienst nur um deren Trockenheit Willen anzuvertrauen. Das Wohlergehen der Gruppe ist das wichtigste Kriterium für die Auswahl der Dienenden. Bei anstehenden Wahlen kann es hilfreich sein, sich zuvor mit der Ersten und Zweiten Tradition zu befassen.

Die Gruppen haben ganz verschiedene Wege entwickelt, die notwendigen Dienste unter einem Minimum von Organisation abzuwickeln. Nachfolgend sind ein paar der gängigsten Dienste genannt, um die Aufgaben innerhalb der Gruppen und in die Gemeinschaft hinein zu bewältigen.

Für die nachfolgend beschriebenen Dienste gilt, dass es sich um Empfehlungen handelt, die aus der jahrzehntelangen Erfahrung der nordamerikanischen AA-Gemeinschaft entstanden sind. Einige Dienste werden hier, in der deutschsprachigen AA-Gemeinschaft vom Gruppensprecher in Personalunion wahrgenommen.

Chairperson

Sie dient für einen begrenzten Zeitraum, normalerweise sechs bis zwölf Monate. Erfahrungsgemäß sollte sie schon eine Weile trocken sein, so etwa ein Jahr, und sie soll schon andere Dienste in der Gruppe gemacht haben. Sie koordiniert die Aktivitäten der anderen betrauten Diener in der Gruppe wie etwa Kassierer und Literaturverantwortliche. Dazu zählen auch Mitglieder, die sich verantwortlich zeigen für die Ausrichtung besonderer Meetings oder andere Funktionen. Je besser die Chairperson und all diese Diensttuenden über AA als Ganzes informiert sind, umso besser funktioniert die Gruppe. Mit der Ersten Tradition als Leitlinie und ihren Ermutigungen an andere Mitglieder, sich mit allen Traditionen vertraut zu machen, leisten sie ihren Beitrag für eine gesunde AA-Gruppe.

Gruppensekretär/Gruppensprecher

Wie die Chairperson sollten Gruppensekretäre/Gruppensprecher schon über Erfahrungen in AA-Diensten verfügen. Für Gruppen, die keine Chairperson haben, können die Aufgabenstellungen entsprechend aufgeteilt bzw. angepasst werden. Obwohl alle Gruppen ihre eigenen Routinen haben, sind folgende Aufgaben diesem Dienst zugeordnet:

  • Informationen über wichtige AA-Aktivitäten weitergeben, auch per Email.
  • Pflege der Protokolle der Arbeitsmeetings,
  • Pflege der streng vertraulichen Kontaktdaten von Gruppenmitgliedern (für die Mitglieder natürlich frei­ willig) und Kenntnis darüber, wer für die Kontaktaufnahme zu noch leidenden Alkoholikern bereit ist,
  • falls von der Gruppe gewünscht, die Pflege der Liste der Trockengeburtstage der Mitglieder,
  • Pflege eines „Schwarzen Brettes“ oder Forums zur Bekanntgabe von AA-Ankündigungen,
  • Sicherstellung der Weitergabe von Änderungen des Meetingsortes und neu gewählten betrauten Dienern an das Gemeinsame Dienstbüro bzw. die Region und/ oder lntergruppe,
  • Annahme von Anrufen Hilfesuchender, sofern das nicht anders geregelt ist,
  • das Mitteilen in der Gruppe von Inhalten der Post von anderen Gruppen und von der Region, der lntergruppe und dem Gemeinsamen Dienstausschuss, es sei denn, diese Aufgabe wird von dem Region-Vertreter übernommen.

Kassierer

AA-Gruppen erhalten sich vollkommen durch freiwillige Spenden der Mitglieder. Das „Herumreichen des Huts“ deckt meistens den finanziellen Bedarf der Gruppe, wobei dann meistens noch genügend Geld bleibt, sodass die Gruppe ihren Beitrag leisten kann, um die Region sowie andere Dienstgebiete und das Gemeinsame Dienstbüro zu unterstützen. Die Geldmittel der Gruppen sind gewöhnlich zweckgebunden zur Kostendeckung von:

  • Miete,
  • AA-Literatur,
  • örtliche Meetingslisten, üblicherweise gekauft von der Region oder dem Gemeinsamen Dienstbüro,
  • Kaffee und Erfrischungsgetränke,
  • Unterstützung aller AA-Dienststellen, gewöhnlich in einem Monats- oder Quartals-Rhythmus.

Kassierer führen in der Regel übersichtliche Aufzeichnungen (ein Kassenbuch ist hilfreich) und informieren die Gruppe regelmäßig über Einnahmen und Ausgaben. Sie können der Gruppe regelmäßig berichten und auch Berichte quartalsweise abgeben. Probleme können vermieden werden, wenn die Gruppenmittel auf einem gesonderten Bankkonto für die Gruppe verwahrt werden, für das zwei Unterschriften bei Kontobuchungen erforderlich sind.

Die Erfahrungen in AA zeigen eindeutig, dass es keine gute Idee ist, wenn eine Gruppe größere Geldbeträge anspart, als für Miete und andere Kosten benötigt werden. Es ist aber vernünftig, eine eiserne Reserve für unvorhergesehenen Bedarf zu behalten (die Summe hierfür legt das Gruppengewissen fest).

Schwierigkeiten können auch in der Gruppe entstehen, falls sehr hohe Spenden – in der Form von Geld, Waren oder Dienstleistungen – von einem Mitglied entgegengenommen werden.

Die Broschüre „Seif Support – Where Money and Spirituality Mix“ (nur in englisch) enthält Vorschläge wie AA-Gruppen AA-Dienste unterstützen können.

Zudem nehmen das Gemeinsame Dienstbüro, manche regionalen Dienststellen und die lokalen Regionen Spenden von einzelnen AA-Mitgliedern an. Innerhalb der von den AA-Dienstgremien festgelegten Grenzen steht es AA-Mitgliedern frei, so viel zu spenden, wie sie möchten. Das Maximum, das eine Person an das General Service Office in New York spenden kann, beträgt jährlich 3.000 US-$. Vermächtnisse oder In Memoriam Spenden werden einmalig bis maximal 5.000 US-$ akzeptiert. Die jährliche Obergrenze bei anderen AA-Gremien sollte erfragt werden.

Manche Mitglieder feiern ihre AA-Jubiläen, in dem sie ein Dankbarkeits-Geschenk an das GDB senden. Mit diesem „Geburtstagsplan“ senden manche Mitglieder einen Dollar für jedes Jahr der Trockenheit, während andere die Summe von US-$3.65, also ein Cent pro Tag, für jedes Jahr spenden. Andere Mitglieder geben mehr, aber nicht mehr als die US-$.3.000 pro Jahr. Im deutschsprachigen Raum wurde von der Gemeinsamen Dienstkonferenz der jährliche Höchstbetrag für Einzelspenden auf 1000,- € festgesetzt.

Gemeinsamer Dienstvertreter (GDV)

Der GDV arbeitet in der Region oder in anderen AA Gremien und ist die Verbindung der Gruppe mit der Gemeinsamen Dienstkonferenz, in der die Gruppen im deutschsprachigen Raum ihre Erfahrung teilen, um das gemeinsame Gewissen von AA zum Ausdruck zu bringen. Manchmal „die Hüter der Traditionen“ genannt, werden GDVs mit dem Dritten Vermächtnis vertraut, nämlich unserer spirituellen Verantwortung, unseren Dienst unentgeltlich zu tun. Sie werden normalerweise auf höchstens drei Jahre gewählt, und sie

  • vertreten die Gruppe im Regio-Meeting oder in anderen AA Gremien,
  • informieren Gruppenmitglieder über gemeinsame Dienstaufgaben in der lokalen Region,
  • erhalten und verteilen die Post vom Gemeinsamen Dienstbüro unter ihren Gruppen, einschließlich das AA-DACH und AA-lntern 422, das Hauptinstrument des GDA für die Kommunikation mit der Gemeinschaft.

GDVs können auch den Gruppen helfen, eine Vielzahl von Problemen zu lösen, insbesondere Probleme bezüglich der Traditionen. Beim Dienen für ihre Gruppen können sie auf alle Hilfsmittel und Dienste zurückgreifen, die vom GDB angeboten werden.

Ein Vertreter für den GDV wird zur gleichen Zeit gewählt für den Fall, dass der GDV nicht alle Regio-Dienstmeetings besuchen kann. Vertreter des GDV sollten ermutigt werden, die Verantwortlichkeiten des GDV auf der Gruppen­ und Regio-Ebene zu teilen. (vgl. Handbuch „Dienen in AA“, Abschnitt Gemeinsamer Dienstvertreter).

Finanzielle Unterstützung: Gegenwärtige Erfahrung zeigt, dass viele Gruppen für ihre Gemeinsamen Dienstvertreter finanzielle Unterstützung für die Teilnahme an Regio-Meetings und anderen Dienstausschüssen bereitstellen.