• September 2019

    Lebensfreude

    „Alle Schichten und viele Berufe sind bei uns vertreten wie politische, wirtschaftliche, soziale und religiöse Richtungen. Wir sind Menschen, die normalerweise keinen Umgang miteinander hätten. Jedoch besteht zwischen uns eine Gemeinschaft, ein gegenseitiges Wohlwollen und Verständnis. Das ist unbeschreiblich schön. Wir fühlen uns wie Passagiere eines Ozeanriesen nach der Rettung aus Seenot, wenn Verbrüderung, Lebensfreude und Gemeinschaftsgefühl das Schiff erfüllen, vom Maschinenraum bis zur Kommandobrücke. Im Gegensatz zu den Schiffspassagieren hört unsere Freude über das Entkommen aus der Katastrophe nicht auf, wenn wir nachher wieder unsere eigenen Wege gehen. Das Gefühl, gemeinsam eine Gefahr durchstanden zu haben, ist ein Teil der Kraft, die uns verbindet. Doch das allein würde uns nie so zusammengehalten haben, wie wir heute zusammenstehen.

    Für jeden von uns ist es eine überwältigende Tatsache, dass wir eine Lösung gefunden haben. Wir haben einen Weg gefunden, über den wir uns völlig einig sind und auf dem wir brüderlich vereint und in voller Harmonie weitergehen.

    (Anonyme Alkoholiker, Seite 21)

    Lebensfreude – Freude am Leben. Von beginnender Euphorie über die Dankbarkeit hin zu Lebensfreude. Freude darüber, die dunkle Seite des Lebens, des Trinkens, überwunden zu haben, hin zu einer hellen, freundlichen Welt, einer Welt der Gesundung und der Veränderung. Sich an den Alltäglichkeiten des Lebens zu erfreuen, auch wenn nicht alles so läuft, wie man es sich gerade vorgestellt hat.

    Beiträge bitte bis spätestens 10. Juli 2019

  • Oktober 2019

    Angst, Schmerz und Selbstmitleid

    „Wir sollten uns vor nichts fürchten als vor der Furcht selbst.“

    (Sechs Artikel von Bill, S. 13)

    Es gibt zwei Ewigkeiten in deinem Leben, vor denen du dich nicht zu fürchten brauchst. Die eine ist die Vergangenheit, die du nie mehr ändern kannst, und die andere die Zukunft, die unbekannt ist und die in mir immer etwas Unbehagen, ja sogar Angst hervorruft, wenn ich mich zu sehr mit ihr beschäftige. Angst ist etwas, das ich wirklich nicht mehr brauche, zu viel hatte sie mich in meiner Trinkerzeit im Griff. Sie schwemmte stets all meine negativen Eigenschaften an die Oberfläche und ich wurde zum Spielball meiner Gefühle: Selbstmitleid, Schmerz, Einsamkeit, Neid, Zorn und oft totale Hilflosigkeit waren die Folge davon.

    Um glücklich und zufrieden zu leben, bleibt mir nur eines: Der Versuch, im Heute zu leben und all das anzunehmen, was mir dieses Heute so bringt. Ja, und sollten die 24 Stunden zu lange sein oder gar zu beschwerlich scheinen, so versuche ich es mit dem Jetzt, wie ein AA-Freund mir geraten hatte.

    Beiträge bitte bis spätestens 10. August 2019

  • November 2019

    Erwachsen werden

    „Die pubertären Wünsche nach ständigem Beifall, absoluter Sicherheit und vollkommener Liebe sind natürlich für jemanden im Alter von 47 oder 57 Jahren unrealistisch.

    Seit den Anfängen der AA habe ich schon große Sprünge auf allen diesen Gebieten gemacht, weil ich emotional und spirituell nicht erwachsen werden konnte.“

    (Wie Bill es sieht 330, S. 338)

    Was bedeutet heute für mich das Gefühl, endlich erwachsen geworden zu sein? Ich bin mit der Wahl meiner Worte und Taten voll verantwortlich für mich. Versagensängste, das Gefühl der Minderwertigkeit ohne die Krücke Alkohol, nicht fähig, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, und vor allem unfähig, der Wahrheit ins Auge zu schauen: Wer bin ich, was kann ich, was will ich. Das waren lange Jahre meine Gefühle, die ich mit Alkohol betäuben musste. Erst als ich in unserer Gemeinschaft den Weg aus der Abhängigkeit fand, konnte ich die große Freiheit spüren, die mir geschenkt wurde: Endlich erwachsen zu sein!

    Beiträge bitte bis spätestens 10. September 2019