• Mai 2020

      Geistiges Wachstum und wilde Triebe

      „Immer wenn jemand anderen Menschen mit Hemmungslosigkeit begegnet, erwächst daraus Unglück. Wenn man auf der Jagd nach Reichtum andere niedertrampelt, weil sie zufällig im Weg stehen, werden Zorn, Eifersucht und Rachegefühle erzeugt. Bei ausschweifendem Sexualleben gibt es natürlich ähnlichen Gefühlsaufruhr.“

      (Aus: Wie Bill es sieht Nr. 282, Seite 290)

      Als ich trank, war ich hemmungslos in meinem Tun. Nicht nur mein Verlangen nach Alkohol war süchtig, auch meine Beziehungen zu meinen Mitmenschen, mein Geltungsbedürfnis und mein materielles Streben waren krankhaft und oft maßlos. Nur langsam darf ich erkennen, dass es andere, sehr einfache Dinge sind, die der inneren Zufriedenheit zugrunde liegen. Spirituelle Werte sind der Schlüssel zum Glück, nicht materielle.

      Beiträge bitte bis spätestens 10. März 2020

    • Juni 2020

      Sehnsucht – Einsamkeit: Was soll sich ändern?

      Es ist für einen alkoholkranken Trinker eine bis auf den Grund seiner Existenz erschütternde Erfahrung, wenn er sich eingestehen muss, dass er tatsächlich mit seinem Leben gescheitert ist – körperlich, seelisch, geistig, sozial. Da stirbt etwas. Das zu akzeptieren, bedingungslos, mutet AA aber seinen Mitgliedern zu. Wer überleben will, muss kapitulieren, zunächst vor der Flasche, dann aber auch vor seiner bisherigen Lebenskonzeption. Wer trocken bleiben möchte, wird sein Leben von Grund auf ändern müssen.

      Alleinsein heißt nicht Einsamkeit und Einsamkeit heißt nicht Alleinsein!

      In seinem Brief an Bill Wilson erklärt Carl G. Jung, er hätte Rowland H. nicht offenbaren können, wie sehr er selbst davon überzeugt war, wie wesentlich Spiritualität für seine Genesung sei: „Rowlands Drang nach Alkohol war Ausdruck des spirituellen Durstes unseres Wesens nach Ganzheit – auf einer niedrigen Stufe. In der Sprache des Mittelalters: Nach der Einigung mit Gott! […] Die hilfreiche Formel lautet daher: spiritus contra spiritum.“

      Die Ausweitung der Beziehungen auf das soziale Leben über AA hinaus ist nicht zufälliges Nebenprodukt, sondern ein „wichtiger integrativer Teil des Genesungsprozesses“. AA wird Alltag und Lebensform.

      Beiträge bitte bis spätestens 10. April 2020

    • Juli 2020

      „Leid und Liebe“

      Der Alkoholiker ist wie ein Wirbelsturm, er fegt auf seinem Weg rücksichtslos durch das Leben anderer. Herzen werden gebrochen. Innige Beziehungen gehen in die Brüche. Zuneigungen werden zerstört. Selbstsüchtige und rücksichtslose Gewohnheiten halten das Familienleben in Aufruhr.

      (Anonyme Alkoholiker, S.95)

      Was für eine Wahrnehmung! Ich fühlte mich als trinkender Alkoholiker einer Verschwörung der ganzen Welt gegen mich ausgesetzt, fühlte mich als armes Opfer. Ich zerstörte Bindungen und Beziehungen, stieß Freunde vor den Kopf, war unzuverlässig, unberechenbar, aber immer unschuldig mit einer billigen Ausrede. Erst in der Trockenheit dämmerte es mir – und im Nüchternwerden wurde es mir bewusst – welchen Trümmerhaufen ich in den Herzen so vieler wunderbarer Menschen hinterlassen hatte. Einiges ist nicht mehr zu kitten, aber das meiste wurde mir liebevoll nachgesehen, entschuldigt, verziehen. Dennoch kann ich auch heute noch, nach so vielen Jahren Trockenheit, immer wieder ein Rambo sein, ungeduldig, unbeherrscht und selbstgerecht. Von Liebe oft keine Spur. Das Leiden an mir selber wird mir erhalten bleiben. Ich bin angewiesen auf das Wirken einer Höheren Macht, die mich oft schon mit entschlossener Hand auf den Teppich der Realität zurückholte. So wird mein Alltag zu einem erträglichen Dasein gezimmert, Leid und Liebe als Lehrmeister.

      Beiträge bitte bis spätestens 10. Mai 2020