• Juni 2019

    Zorn und Groll

    Das Buch Anonyme Alkoholiker trifft eine erstaunliche Feststellung:  „Groll ist der Missetäter Nummer eins. Er zerstört mehr Alkoholiker, als es andere Dinge tun.“ Wenn ein Nichtalkoholiker dies liest, mag er denken: „Das stimmt doch sicher so nicht, es ist doch der Alkohol, der die Alkoholiker zerstört.“  Aber das Blaue Buch meint, was es sagt und erklärt auch im nächsten Satz, warum: „Er ist der Ursprung jeder seelischen Erkrankung.“

    (Blaues Buch, S. 74)

    Zorn und Wut können wichtige Teile des Prozesses, der Reise sein, die zur Errichtung und Entdeckung unserer spirituellen Heimat führt. Aber Groll kann diesen Prozess stoppen, die Reise vorzeitig beenden. Groll kennt keine Chance der Befreiung, sondern nur ein Eingeschlossensein in eine quälende Vergangenheit und das allmähliche Ersticken jeder Gelassenheit. Wenn ein Mensch seine Bitterkeit beiseitezuschieben vermag, wird er menschlich.

    Beiträge bitte bis spätestens 10. April 2019

  • Juli 2019

    Mein krankes Ego

    „Charakteristisch für den Alkoholiker ist ein narzisstischer, egozentrischer Kern, beherrscht von Allmachtsgefühlen, entschlossen, um jeden Preis seine innere Integrität zu bewahren.“

    (AA wird mündig, Dr.Tiebout, S. 433)

    „Durch Selbsterforschung können wir Licht, Leben und Gnade in die dunklen Seiten unserer Persönlichkeit bringen. Damit geht die Entwicklung jener Art von Demut einher, durch die wir Gottes Hilfe erlangen können.“

    (Wie Bill es sieht 10 (Aus dem Dunkel), S. 18)

    Alles, was krank ist, kennt die Sehnsucht nach Gesundheit. Doch ohne das heilende Erkennen des „Ich bin krank“ gab es für mich weder Weg – noch Hilfe. Erst als ich das verstehen und annehmen konnte, veränderte sich meine innere Grundeinstellung – mit der Zeit wurde ich auf die richtige Größe zurückgestutzt und die Demut konnte Einzug halten. Sie ist meine Basis zur Genesung – zur Rückkehr zum klaren, nüchternen Denken und zur bedingungslosen Ehrlichkeit. Und so fällt es mir bis heute nicht schwer, demütig darum bitten, dass mir meine Fehler genommen werden.

    Beiträge bitte bis spätestens 10. Mai 2019

  • August 2019

    Der direkte Draht zur Höheren Macht

    „Ich glaube fest an Führung und Gebet. Aber ich bin mir voll bewusst und demütig genug, so hoffe ich wenigstens, dass es in Bezug auf meine Führung keine Unfehlbarkeit geben kann.

    In der Minute, in der ich einen direkten Draht zu Gott zu haben glaube, bin ich selbstsüchtig genug geworden, um in ernsthafte Schwierigkeiten zu gelangen.

    Niemand kann mehr unnötigen Kummer verursachen als der Überhebliche, der glaubt, alles von Gott direkt persönlich zu erhalten.“

    (Wie Bill es sieht 38 (Verbindung zu Gott), S. 46)

    Wie alles in meinem Leben kann ich aufgrund meiner alkoholkranken Struktur auch die spirituelle Seite unseres Programms bis zum Exzess betreiben. Denn auch in meiner Trockenheit bleibe ich noch oft ein Held der unrealistischen Selbsteinschätzung. Die Übung der „Demut für den heutigen Tag“ bringt mich wieder in die Normalität zurück – und dann brauche ich auch im Meeting den Stuhl neben mir für die Höhere Macht nicht mehr freihalten.

    Beiträge bitte bis spätestens 10. Juni 2019