April 2026
Der Vierte Schritt
Gründlich und furchtlos wollen wir die Bestandsaufnahme in unserem Inneren angehen. Damit stellt der Vierte Schritt den Anfang einer neuen Gewohnheit dar. Wir hinterfragen unsere Naturtriebe, unser sexuelles Begehren, unseren Drang nach finanzieller Sicherheit, unsere Geltungssucht, unser Machtstreben … Wir durchleuchten unsere persönlichen Beziehungen und erkennen, wo wir uns schuldig gemacht haben. Wir fragen uns, inwieweit wir selbst Opfer unserer eigenen Charakterfehler wurden und – nicht zu vergessen – wir bilanzieren auch unsere Pluspunkte. Wenn wir die Inventur durchhalten, erfahren wir eine andere Art von Selbstvertrauen.
Wie seid ihr an den Vierten Schritt herangegangen? Fiel es schwer, ehrlich zu sein? Welche Erkenntnisse habt ihr gewonnen, welche Schlussfolgerungen gezogen?
Wir freuen uns auf eure Berichte.
Sonderthema zur Aprilausgabe
Zuhören lernen
„Nimm die Watte aus den Ohren und steck sie dir in den Mund“, sagen wir oft flapsig. Gar nicht so leicht! Schließlich geht es in der Welt scheinbar darum, wer das Sagen hat. Hingegen bekommt jemand, der gut zuhören kann, meist weniger Anerkennung. Doch ist das Zuhören Voraussetzung dafür, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und Beziehungen aufzubauen.
Ich bin sehr dankbar für unsere AA-Gesprächskultur. Wir schenken dem Gegenüber Aufmerksamkeit, lassen ihn ausreden und nehmen uns selbst zurück. Wir hören zu, ohne zu urteilen. Aber zuhören heißt auch lernen. Ich muss nicht jede schlimme Erfahrung selbst machen. So habe ich nie daran gezweifelt, wenn die Freunde von einem Rückfall und der Gefahr des ersten Glases gesprochen haben.
Was kommt euch zum Thema „zuhören“ in den Sinn? Wie habt ihr es gelernt? Fällt es manchmal noch schwer? Was sind die positiven Erfahrungen, wenn ihr anderen Menschen aufmerksam zuhört oder wenn euch selbst diese Wertschätzung zuteilwird?
Bitte schreibt uns davon.
Beiträge zu beiden Themen bitte bis 3. Februar 2025 an aa-redaktion@anonyme-alkoholiker.de
Mai 2026
Der Fünfte Schritt
„Wenn wir auf dieser Welt lange und glücklich leben wollen, müssen wir gegenüber irgendeinem Menschen vollkommen ehrlich sein“, so steht es im Blauen Buch. Und damit sind wir im Fünften Schritt angekommen. Wir werden aufgefordert, „Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zuzugeben“. Das fiel mir nicht leicht und ich habe das auch nicht „auf einen Rutsch“ geschafft, aber die Befreiung anschließend war so umwerfend, dass ich mich – ähnlich wie beim Ersten Schritt – von einer Riesenlast befreit fühlte. Wie ist es Euch ergangen mit dem Fünften Schritt.
Wir freuen uns, wenn Ihr uns Eure Erfahrungen schreibt.
Sonderthema zur Februarausgabe
Suchtverlagerung
„Suchtverlagerung ist der Austausch eines Suchtverhaltens gegen ein anderes, wobei die zugrunde liegende Sucht nicht gelöst wird. Ein Beispiel ist, wenn ein Alkoholiker nach einer Entgiftung anfängt, Medikamente zu nehmen oder spielsüchtig wird. Die Ursachen der Abhängigkeit werden dabei nicht behoben. Deshalb ist eine erfolgreiche Therapie, die auch eine Entwöhnung beinhaltet, unerlässlich, um das Risiko einer Suchtverlagerung zu minimieren.“ So lautet eine Definition aus dem Internet. Ich selbst bin auch zunächst auf Nikotin und Koffein umgestiegen, nachdem ich das erste Glas stehenlassen konnte. Glücklicherweise konnte ich auf beides nach einiger Zeit verzichten. Und nie werde ich vergessen, was ein Freund im Meeting sagte, als er nach zwanzigjähriger Alkoholabstinenz auch die erste Zigarette liegenlassen konnte: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mit dem Rauchen so viel weggemacht habe“.
Was habt Ihr für Erfahrungen mit Suchtverlagerung/en? Wir sind gespannt auf Eure Berichte.
Beiträge zu beiden Themen bitte bis zum 3. März 2026 an aa-redaktion@anonyme-alkoholiker.de
Juni 2026
Der sechste Schritt
Dieser sechste Schritt ist für mich ganz schön knifflig. Erst einmal setzt er voraus, dass ich bereit bin, meine Charakterfehler zu erkennen und anzunehmen. Schon das ist nicht leicht. Wie gerne habe ich meine Fehler doch anderen in die Schuhe geschoben, als Reaktion auf deren Fehlverhalten! „Hätte er mich nicht so wütend gemacht, wäre ich nicht so ausfallend geworden!“
Heute übernehme ich die Verantwortung für mein Fehlverhalten, z.B. wenn ich viel zu rasch wütend werde und mich nicht im Griff habe. Ich habe tatsächlich den Wunsch, daran etwas zu verändern. Aber wie? Und da setzt der Sechste Schritt ein. Ich darf meine Charakterfehler bei meiner Höheren Macht abgeben. Dafür benötige ich Bereitschaft. Aber bin ich wirklich völlig bereit, all meine Charakterfehler auf- bzw. abzugeben? Alle auf einmal ganz bestimmt nicht!
Aber, Gott sei Dank, muss ich das ja auch gar nicht. Ich darf freiwillig und in meinem eigenen Tempo nach und nach bereit dazu werden. Wie habt ihr den Sechsten Schritt gemacht? Wir sind gespannt auf eure Einsendungen.
Sonderthema zur Juniausgabe
Trockenheit ist keine Dürre
Bevor ich aufhörte zu trinken, hatte ich große Angst vor einem Leben ohne Alkohol. Was würde das für ein trostloses Leben sein! Nichts Schönes würde ich mehr erleben, überall ausgeschlossen sein und nie mehr Spaß haben. Ich stellte mir das trockene Leben wirklich wie eine Dürre vor.
Doch es kam ganz anders. Heute nach einigen 24 Stunden Trockenheit kann ich sagen, dass all diese Befürchtungen nicht wahr geworden sind. Jetzt kann ich klar entscheiden, was ich tun will und was mir Freude macht. Mein Leben ist so viel reicher, bunter und lebensfroher geworden, dass ich es nicht mehr gegen das alte eintauschen möchte. Auch lachen kann ich noch! Ich weiß sogar immer, worüber! „Dazu gehören“ heißt für mich heute, eine Wahl zu haben, mit welchen Menschen ich mich umgeben möchte. Für mich gibt es nichts Besseres als zur AA zu gehören. Voll und ganz. Ich freue mich darauf, Eure Gedanken zum trockenen Leben zu lesen!
Beiträge zu beiden Themen bitte bis 3. April 2026 an aa-redaktion@anonyme-alkoholiker.de
