In der Monatszeitschrift AA-DACH der deutschsprachigen Anonymen Alkoholiker werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht.
Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.
Juli 2026
Monatsthema: Der Siebte Schritt
Leseprobe:
Kein Spaziergang
Im Sechsten Schritt war ich bereit, all meine Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen. Im Siebten Schritt sind diese Charakterfehler abgeschwächt in Mängel, die von mir genommen werden. Gleichzeitig habe ich durch die Demut eine Garantie, dass mir die höhere Weisheit behilflich sein wird. Ich will mich mit der Demut und der Verantwortung auseinandersetzen, denn der Siebte Schritt ist kein Spaziergang. Er wird mich in die Freiheit führen, wenn ich die AA-Prinzipien anwende und sie somit zu meiner Lebensphilosophie und Weltanschauung mache.
Ein neues Leben
Mein Name ist Adolf und ich bin dank AA heute trocken und möchte es möglichst bis zum Lebensende bleiben. Im Sinne des Zwölf-Schritte-Programmes ist Demut der Mut zum Dienen. Die Demütigungen, denen ich mich während meiner Saufzeit selbst ausgesetzt hatte, waren so gravierend, dass ich keinen anderen Ausweg mehr sah, als um Hilfe zu bitten.
Unterstützung fand ich bei den Anonymen Alkoholikern. Im ersten Meeting wurde mir erklärt, dass ich an einer unheilbaren Krankheit leide, die durch Vermeidung des Alkohols zum Stillstand gebracht werden kann. Alleine dieses erste Glas, das ich inzwischen schon über 20 Jahre stehen lassen kann, führt mich in einen neuen Lebensabschnitt. Es ist nicht so, als ob ich neu geboren wäre, aber ich habe einen Teil meines alten Lebens aufgegeben. Ich habe Veränderungen vorgenommen, die mir plötzlich geschenkt wurden. Genau hier kommt die Demut zum Vorschein, da ich die Veränderungen nicht von selbst vorgenommen habe.
Aktiv werden …
Wie oft habe ich „danke“ gesagt, wenn mein ich-bezogenes Gehirn völlig neue Wahrnehmungen registrierte: Die Blumen hatten Farbe, Duft und Vielfalt. Die Wolken waren in Bewegung, der Wind hatte Kraft, ich bemerkte Geschwindigkeit und Geräusche. Die greifbare Erde war von unterschiedlicher Festigkeit, Farbe, Beschaffenheit und Geruch.
Wie konnte es möglich sein, dass eine solche Vielfalt auf nur wenigen Metern eines Waldspaziergangs auf mich einwirken konnte? Es ist geschehen, weil ich dazu bereit war. Wenn ich im Siebten Schritt demütig darum bitte, meine Mängel von mir zu nehmen, trage ich die Verantwortung, aktiv zu werden. Es ist ein Reifungsprozess und ein Erwachsenwerden.
Demut ist der Mut zum Dienen und nicht die Überheblichkeit oder Wortbrüchigkeit wie in meiner nassen Zeit. Das „Nüchternwerden“ sollten wir mit aller Willenskraft angehen. Dann können wir uns auf die Kraft verlassen, die stärker als unser eigener Wille ist.
… und urteilsfähig
Im Ersten Schritt konnten wir unser Leben nicht mehr meistern, weil der alkoholkranke Wille unser Leben diktiert hat. Er ist zumindest nur für heute stillgelegt. Ich kann mich intensiv darauf konzentrieren, meine Mängel beseitigen zu lassen. Diese Mängel müssen von mir selbst erkannt werden, sowohl in ihrer Schwere als auch in der Wichtigkeit.
Die Demut ist eine Kraftquelle für unsere Gelassenheit. Sie lässt uns unterscheiden zwischen Kritiksucht und Urteilsfähigkeit. Wenn wir an unserer Urteilsfähigkeit zweifeln, wird die Demut uns wieder die Hilfe zukommen lassen, die letzten beiden aktiven Schritte zu tun.
Gute 24 Stunden im Sinne des AA-Dreiecks Einigkeit, Genesung, Dienst
wünscht Adolf
… und wenn Du mehr lesen möchtest, dann abonniere doch einfach diese Zeitschrift: vertrieb@anonyme-alkoholiker.de
