AA-DACH Leseprobe

Zeitschrift AA-DACH

In der Monatszeitschrift AA-DACH der deutschsprachigen Anonymen Alkoholiker werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht.
Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Mai 2017

Bestellnummer: 201 Monatszeitschrift im Abo

 

Monatsthema:
Eine ungewöhnliche Übung

Leseprobe

„Durch’s Reden kumman d’Leut zam!“

Ins Meeting gehe ich, weil ich weiß, dass Alkohol nicht nur eine geistig – seelisch – körperliche Krankheit ist, sondern auch die Krankheit des Vergessens und des Vorspielens falscher Tatsachen. Es ist wohl die einzige Krankheit, die einem vorspiegelt, man hätte sie nicht. Ich jedenfalls habe über Jahre geglaubt, dass ich jederzeit mit dem Trinken aufhören könnte. Schließlich erkannte ich, dass es nicht möglich war, auch nur einen Tag ohne Alkohol zu verbringen. Das Trinken ging so lange, bis ich nicht mehr aufhören wollte und bereit war, mich zu Tode zu saufen.

…, weil sie „sich selbst gegenüber nicht ehrlich sein können …

Da saß ich nun in meinem ersten Meeting! Ich war sprachlos über die Offenheit und Ehrlichkeit der Freunde, die ihre Geschichten mit mir teilten. Woher nahmen die nur das Vertrauen, dass ich das nicht weitererzählen würde? Schämten die sich gar nicht? Wieso war es ihnen nicht peinlich, über ihre Vergangenheit zu sprechen? Ich war schwer beeindruckt. Soviel Offenheit und Ehrlichkeit habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erfahren! Gott sei Dank habe ich von Anfang meiner Trockenheit an ehrlich sein können. In meinem ursprünglichen Leben war das nicht immer so. Da habe ich eher meine Vorstellungen gelebt, ob die tatsächlich in mein Leben passten oder nicht! Auch zu Beginn meiner AA Zeit habe ich  schon noch schöngefärbt, mir auch noch manchmal in den eigenen Sack gelogen, aber im Grunde meiner Seele wusste ich immer, was wirklich gespielt wurde und welche Spielchen ich manchmal mit mir selber trieb. So ist es auch heute noch!

Sponsor? Sponsorin?

Zu meinem 5. Trockenheitsgeburtstag schenkte ich mir eine vierwöchige Reise zu den Meetings ins den USA. Zusammengefasst besuchte ich in 4 Wochen 123 Meetings – ich kam spirituell so stark wie das Michelin-Männchen zurück. Ich fing mit New York City an und bewegte mich dann in Schlangenlinien bis in den mittleren Westen und wieder zurück nach New York. Dort gab es auch Meetings bis zu 280 Personen. Die Meetings dauern nur eine Stunde, trotzdem melden sich alle, die noch Tage zählen (das gilt bis 90!) und die Zeit reicht immer! Viele erzählen bei ihren Wortmeldungen von ihrem Sponsor oder ihrer Sponsorin. Mir wurde klar, dass die Freunde in so großen Meetings einen Sponsor/eine Sponsorin brauchten, weil sie in den Meetings ja kaum zum Sprechen kamen. Im Vergleich dazu war es in Wien einfach: ich konnte so gut wie alles in den Meetings erzählen, hatte also sozusagen alle Freunde dort als Sponsoren. Erst als ich den 4. Schritt gemacht hatte und den 5. erledigen wollte, ersuchte ich eine Freundin, meine Sponsorin zu sein. Ihr wollte ich mich voll und ganz und ohne Vorbehalte öffnen. Dieses Vertrauensverhältnis gibt es heute noch und dafür bin ich dankbar. Wir betreuen einmal im Monat gemeinsam das Kontakttelefon für Wien, Niederösterreich und das Burgenland – da haben wir immer wieder genügend Zeit für diese offenen, ehrlichen, tiefgründigen Gespräche. Wir telefonieren aber auch zwischendurch. Der Kontakt ist das Wesentliche!

… und wenn Sie wissen wollen, wie es der Verfasserin weiter ergangen ist, dann abonnieren Sie doch einfach diese Zeitschrift!
vertrieb@anonyme-alkoholiker.de

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