AA-DACH Leseprobe

Zeitschrift AA-DACH

In der Monatszeitschrift AA-DACH der deutschsprachigen Anonymen Alkoholiker werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht.
Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

August 2017

Bestellnummer: 201 Monatszeitschrift im Abo

 

Monatsthema:
Papier und Bleistift …

Leseprobe

Mein Name ist Ingrid und ich bin die Alkoholikerin, die zuerst die „gottlosen“ Schritte (1, 4, 8, 9 und 10) machen wollte, weil ich mit Gott oder einer Höheren Macht nichts am Hut hatte! Na, der 1. Schritt wurde mir geschenkt, ich konnte vom ersten Meeting an das erste Glas stehen lassen! Den 4.  fing ich gleich an, auch wenn ich damit ewig nicht fertig wurde und ihn schließlich auf später verschieben musste. Der 8. Schritt schien mir einfach zu erledigen, da sollte man ja nur eine Liste schreiben und sonst nichts tun! Den 9. konnte ich doch erst ins Auge fassen, wenn der 8. fertig war und der 10. Schritt kam mir sehr entgegen – ich musste ja meine Abende irgendwie füllen, Alkohol trinken war keine Option mehr!

Frisch ans Werk!

Es war doch klar, dass ich meinen Kindern und meinen Eltern geschadet hatte, im Berufsleben hatte ich eher weniger Schaden angerichtet. Also schrieb ich alle einzelnen Menschen mit Namen auf ein Extrablatt # 8. Irgendwann in einem Meeting hat ein Freund gesagt, er müsse auch sich selber auf diese Liste schreiben, denn er hätte vor allem sich selber geschadet. Stimmt! Also kam ich ganz oben hin! In der Literatur fand ich noch den Hinweis, ich solle mir immer meinen Anteil der Verletzungen genau anschauen – daran musste ich mich strikt halten. Ich neige ja dazu, erstens alles schön zu färben und zweitens den anderen vorerst mal die Schuld an meinem Verhalten zu geben.

Zu Ersterem: Wie oft habe ich vor lauter Harmoniesucht, vor lauter nicht anecken wollen geschwiegen, statt zu mir zu stehen und klar zu machen, was ich will und was nicht! Heute denke ich, dass ich fast ein Leben lang ein falsches Bild von mir geliefert hatte. Das nenne ich jetzt Betrug! Wie kann denn dann ein anderer richtig reagieren, wenn er/sie mich doch gar nicht kennt? Heute wage ich zu behaupten, dass ich mich ja selber nicht kannte oder kennen wollte – das hat sich in meinen trockenen Jahren stark verändert!

Und zum Zweiten: Sehr oft waren die anderen zu frech, zu selbstgerecht, zu direkt, … zu irgendwas, um mich zornig, sarkastisch und ironisch werden zu lassen! Meist schlug ich erst verbal fest um mich und zog ich mich dann in mich selber zurück, ähnelte mehr einer Auster als einem Menschen! Ich konnte also mich nicht einschätzen und die Mitmenschen auch nicht – immer waren Gefühle involviert, die mit der Situation eigentlich nichts zu tun hatten. Von „Nüchternheit im Gefühlsleben“ war also weit und breit nichts zu merken.

… und wenn Sie wissen wollen, wie es der Autorin weiter ergangen ist, dann abonnieren Sie doch einfach diese Zeitschrift!
vertrieb@anonyme-alkoholiker.de

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