AA-DACH Leseprobe

Zeitschrift AA-DACH

In der Monatszeitschrift AA-DACH der deutschsprachigen Anonymen Alkoholiker werden Erfahrungen der jeweiligen Verfasser/Innen mit dem AA-Programm (Schritte, Traditionen, Meetings-Begegnungen, Sponsorschaft etc.) veröffentlicht.
Sie stellen keine Stellungnahme der Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker dar und können nicht auf AA als Ganzes bezogen werden.

Oktober 2017

Bestellnummer: 201 Monatszeitschrift im Abo

 

Monatsthema:
Hör nie auf, anzufangen …

Leseprobe

Manchmal fällt man tief!

Von meinem ersten trockenen Tag an hatte mein Bruder fast jeden Tag bei mir vorbeigeschaut, sich einen grünen Apfel genommen und war zufrieden weggegangen, wenn mit mir alles in Ordnung war. Es ist schon eine Weile her, als er durch einen Verkehrsunfall zu Tode kam, meine Schwägerin und Nichte heilten im künstlichen Tiefschlaf vor sich hin, mein Neffe, damals 6, hatte keine körperlichen Blessuren, hatte aber alles gesehen und während der ersten Grundschulklasse alles rot angemalt – Seelen-Infarkt kann man das nennen! Wir „übriggebliebene“ Familie waren wund und fassungslos. Ich war erschüttert und mein Bruder fehlte mir sehr. Ich war täglich bei meiner Nichte in der Intensivstation, sorgte für Mutter, meinen Neffen und den Rest der Familie und fand Kraft in den Meetings und durch meine AA Freundinnen und Freunde! Zu dieser Zeit hatte ich viel Zeit mit einem AA Freund verbracht, der mich auch beim Begräbnis meines Bruders tatkräftig unterstützte. Über längere Zeit waren wir gemeinsam auf der Suche nach einer Höheren Kraft und beschäftigten uns intensiv mit dem Programm, auch mit der Arbeit in Justizanstalten, usw. Wir lernten viel voneinander und übten vieles. Ein Monat nach dem Tod meines Bruders verliebte sich dieser AA Freund und da war wirklich kein Platz mehr für eine andere, platonische Freundin, auch wenn sie zu AA gehörte. Angefühlt hat sich das so, als hätte ich in kürzester Zeit zwei Brüder verloren und ich kam mir allein gelassen vor. Ich hatte aber eh keine Zeit zu grübeln – es war so viel zu tun! Mein einziger Kontakt zur Außenwelt war das Freitagsmeeting. Ich ersuchte darum, es noch weiter leiten zu dürfen, obwohl eigentlich Rotation schon angesagt war. Ich hatte das Gefühl, in einem schwarzen Loch zu sitzen, das rutschige Seitenwände hatte. Ich konnte nicht heraus, rutschte immer tiefer hinein. Ich sprach viel mit meiner Sponsorin. Schließlich stand sie nach fast einem Jahr eines Tages mit nassen Augen vor mir und brachte mir ihre Kapitulation zur Kenntnis:  sie hatte alles versucht, mich aus dem Loch zu ziehen und war kläglich gescheitert! Sie wusste nicht mehr weiter – und das wollte sie mir mitteilen! Ich musste gleich mit heulen – dieser Tag leitete meine Umkehr ein. Plötzlich waren die Wände meines schwarzen Loches doch nicht mehr so glatt und ich konnte auf allen Vieren hinauf kriechen! Nimm dich am Schopf und zieh dich heraus! Das ist damals gelungen!

Wieder in einem „Loch“!

Seit letztem August war ich intensiv engagiert, das Alpenländertreffen zum Erfolg zu machen, wir fuhren immer wieder nach Leoben und arbeiteten natürlich auch von daheim. Mitte Jänner teilte mir mein ältestes Enkelkind mit, sie leide an akuter Leukämie und sei ab sofort in der Aplasie-Station in Salzburg zu fünfmal Chemotherapie. Also fuhr ich einmal pro Woche zu ihr, als Unterstützung und Aufmunterung! Und dann brach sich meine Mutter noch Anfang März den Oberschenkel und brauchte nicht nur chirurgische Behandlungen, sondern auch ausgiebige Rehabilitation, damit sie wieder selbständig gehen und leben konnte. Während der Stunde der Besinnung in Leoben merkte ich, dass ich mir nichts mehr merken konnte – ich fühlte mich am Ende! Wieder ein Tiefpunkt!

… und wenn Sie wissen wollen, wie es mit der  Autorin weiterging, dann abonnieren Sie doch einfach diese Zeitschrift!
vertrieb@anonyme-alkoholiker.de

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