• April 2021

    Nur für heute

    Es gibt in jeder Woche zwei Tage, über die wir uns keine Sorgen machen sollten. Zwei Tage, die wir freihalten sollten von Angst und Bedrückung.

    Einer dieser Tage ist das Gestern mit all seinen Fehlern und Sorgen, geistigen und körperlichen Schmerzen. Das Gestern ist nicht mehr unter unserer Kontrolle! Alles Geld dieser Welt kann das Gestern nicht zurückbringen; wir können keine einzige Tat, die wir getan haben, ungeschehen machen. Wir können nicht ein Wort zurücknehmen, das wir gesagt haben. Das Gestern ist vorbei!

    Der andere Tag, über den wir uns keine Sorgen machen sollten, ist das Morgen mit seinen möglichen Gefahren, Lasten, großen Versprechungen und weniger guten Leistungen. Auch das Morgen haben wir nicht unter unserer sofortigen Kontrolle.

    Morgen wird die Sonne aufgehen, entweder in ihrem vollen Glanz oder hinter einer Wolkenwand. Aber eines steht fest: Sie wird aufgehen! Bis sie aufgeht, sollten wir nicht über das Morgen Sorgen machen, weil morgen noch nicht geboren ist.

    Somit bleibt nur ein Tag übrig: Heute!

    Jeder Mensch kann nur die Schlacht von einem Tag schlagen. Dass wir zusammenbrechen, geschieht nur, wenn du und ich die Last dieser zwei fürchterlichen Ewigkeiten – gestern und morgen – zusammenfügen.

    Es ist nicht die Erfahrung von heute, welche die Menschen verrückt macht; es ist die Reue und Verbitterung über etwas, was im Gestern geschehen ist, oder die Furcht vor dem, was das Morgen wieder bringen wird.

    Heute ist das Morgen, worüber wir uns gestern Sorgen gemacht haben.

    (Faltkarte „Gestern – Heute – Morgen)

    „Nur für heute“ – was für eine Wohltat brachte die Offenbarung dieser drei einfachen Worte einst für mein benebeltes, noch nasses Alkoholikerhirn! „Nur für heute“ – was für eine Wohltat bedeuten diese drei einfachen Worte auch heute, da ich den Weg zur Genesung schon einige 24 Stunden lang beschreiten darf, tagtäglich für mich! Durch die Entdeckung der 24-Stunden-Methode konnte ich die Angst vor dem Gestern und die Furcht vor dem Morgen abbauen – nur für heute. Im Jetzt kann ich heute erkennen, ob ich recht handle und die Ethik meines Handelns dabei miteinschließen.

    Beiträge bitte bis spätestens 10. Februar 2021

  • Mai 2021

    Gelassenheit

    Wir hüten unseren „Gelassenheitsspruch“, weil er uns ein Licht bringt, das unsere alte und verhängnisvolle Neigung zum Selbstbetrug vertreibt.

    (Wie Bill es sieht 20, Seite 28)

    Es hat lange gedauert, bis ich eine gewisse Gelassenheit in mir gespürt habe. Zu Beginn meiner Trockenheit wollte ich möglichst sofort ebenso gelassen sein wie die langjährig trockenen Freunde, die ich in den Meetings traf. Wie sollte ich das fertigbringen? Was musste ich tun, um diese Ruhe ausstrahlen zu können, die mich in den Meetings umgab?

    „Das Wichtigste ist, das erste Glas stehenzulassen“, sagten die Freunde. Pah, die konnten gut reden …! Ich hatte große Zweifel, dass dieser Satz das große Geheimnis war. Trotzdem dämmerte mir ganz langsam, dass all die Freunde vielleicht recht haben könnten.

    Ich habe bis jetzt alle täglichen Gläser stehen lassen können und die Gelassenheit hat sich bei mir irgendwie eingeschlichen. Seitdem ich nicht mehr saufe, sind die ungeduldigen Momente sehr viel weniger geworden. „Gib mir die Gelassenheit – aber bitte sofort“ hat sich aus meinem trockenen Leben weitestgehend verabschiedet.

    Unter anderem ist mir in der Trockenheit auch die Gelassenheit geschenkt worden und ich muss mir und anderen nichts mehr beweisen.

    Beiträge bitte bis spätestens 10. März 2021

  • Juni 2021

    Stolz

    Das Gefährliche am blinden Stolz ist die Leichtigkeit, ihn zu rechtfertigen. Wir brauchen nicht weit zu schauen, um zu erkennen, dass Selbstgerechtigkeit überall Harmonie und Liebe  zerstört. Dadurch wird sich Mensch gegen Mensch stellen. Nation gegen Nation.  Selbstgerechtigkeit kann sogar der Dummheit und der Gewalttätigkeit einen ehrbaren Anstrich geben.
    Es wäre falscher Stolz, wenn wir für die Gemeinschaft der AA den Anspruch erheben würden, allheilend zu sein. Diese Einschränkung ist sogar für den Alkoholismus gültig.

    (Wie Bill es sieht 285, S. 293)

    Dieses Zitat ist erschreckend zeitlos und ich bin gleich geneigt, aktuelle politische Ereignisse unter diesen Gesichtspunkten zu beleuchten und zu diskutieren. Bei AA lerne ich jedoch, zu den Grundsätzen zurückzukehren. Eben immer wieder vor der eigenen Türe zu kehren und immer
    wieder demütig zu überprüfen, inwieweit ich selbst in die Falle der Überheblichkeit, Arroganz und der Rechtfertigung tappe.
    Die Adjektive „blind“ und „falsch“ beim Stolz weisen darauf hin, dass es bei Stolz auch eine gute Seite geben kann. Dies kann nur funktionieren, wenn ich unsere AA-Prinzipien über alles Persönliche stelle.

    Beiträge bitte bis spätestens 10. April 2021