Leseprobe

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Die Gruppe – das Meeting – das Programm

Kapitel 2: Der Dienst des Gruppensprechers

Der Freund, die Freundin, die wir als Kandidaten für unseren Gruppensprecherdienst vorschlagen, sollte bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So wird empfohlen, dass der Sprecher schon eine Zeit bei AA nüchtern ist und eine gewisse Veränderung seiner geistig-seelischen Grundhaltung durch unser spirituelles Programm der Genesung erreicht hat und mit diesem Programm, wie es auch das ‚Blaue Buch‘ beschreibt, vertraut ist. Dann kann er auch bei gelegentlichem ‚Wind von vorn‘ gelassen bleiben und doch eine gewisse Durchsetzungskraft in Bezug auf die Prinzipien unseres Programms an den Tag legen. Schließlich wollen wir ihn in diesen Dienst wählen und ihm damit unser Vertrauen zeigen. Es heißt zwar: „Unsere betrauten Diener herrschen nicht, sondern sind denen verantwortlich, denen sie dienen“ – aber gewisse Regeln einzuhalten und die Beschäftigung mit unserem Programm zu gewährleisten, ist nicht nur in unserer, sondern vor allem auch in seiner Verantwortung. Seine Aufgaben im Einzelnen:

Was sollte er?
– Das Meeting eröffnen und schließen
– Gegebenenfalls das Meeting leiten (oder für heute einen Freund darum bitten)
– Für einen reibungslosen Ablauf sorgen – Arbeitsmeeting der Region besuchen und der Gruppe darüber berichten
– Kontakt zum Vermieter pflegen

Was kann er?
– Neue auf der Rednerliste vorziehen
– Erstmeldungen vor Zweitmeldungen zulassen
– Bitten, die Sprechzeit zu beschränken
– Ein Meeting -Thema vorschlagen oder erfragen
– Verbindungen zu anderen Gruppen und Diensten, z.B. dem Arbeitskreis für Öffentlichkeitsarbeit, pflegen

Was sollte er möglichst nicht?
– Er sollte keine Wortbeiträge zulassen, die gegen unsere Traditionen verstoßen, beleidigend sind oder persönliche Angriffe enthalten sowie solche, die ganz ohne Bezug zu unserem Programm stehen
– Wortbeiträge der Freunde kommentieren
– Ungefragte Ratschläge geben
– Alles allein machen wollen
– Sich für unersetzlich halten
– Sich allein verantwortlich fühlen für das ‚Gelingen‘ des Meetings

Wer jetzt sagt: „Diese Aufgaben sind zuviel für mich, das schaffe ich niemals!“, dem können drei recht einfache Wege vorgeschlagen werden, auf denen er Hilfe findet.

Der erste ist, sich einen Dienst-Sponsor zu suchen. Das Wort ‚Sponsor‘ kommt aus dem Amerikanischen und heißt so viel wie ‚Helfer, Betreuer, Unterstützer‘. Unser neuer Gruppensprecher könnte einen diensterfahrenen AA-Freund bitten, ihm als Gefährte und Ratgeber, also als ‚Sponsor‘, zur Seite zu stehen. Vielleicht bittet er sogar ein Mitglied seiner alten Gruppe, diesen Dienst für ihn zu tun. Der wird das in der Regel nicht ablehnen, und so entsteht schon eine Verbindung dieser beiden Gruppen. Möglicherweise kommt der Sponsor einmal, um ein Meeting zu leiten, oder man besucht sich gegenseitig und sorgt so für frischen Wind bei unseren gemeinsamen Bemühungen um die eigene Nüchternheit und die neuer Freunde.

Der nächste Weg ist, seine Gruppe zu bitten, einen stellvertretenden Gruppensprecher zu wählen. Der wäre zum Beispiel zur Stelle, wenn unser Sprecher aus einem wichtigen Grund nicht am Meeting teilnehmen kann. Es gibt viele Möglichkeiten, sich bei unvorhergesehenen Ereignissen gegenseitig zu entlasten.

Schließlich, wenn die Gruppe schon ein wenig gewachsen ist, kann sie einen „gemeinsamen Dienstvertreter“, den ‚GDV‘, wählen. Dieser sollte etwa drei Jahre nüchtern, im AA-Programm und in unserer Literatur gut bewandert sein. Er arbeitet mit dem Gruppensprecher oder den Gruppensprechern zusammen. Er informiert und berät bei allem, was AA als Ganzes angeht und ist das Bindeglied zwischen unserer Gruppe und dem ‚Gruppengewissen von AA‘ im deutschsprachigen Raum, nämlich der „Gemeinsamen Dienstkonferenz “, der „GDK“.

Wir stellen uns vor, ein AA-Freund sei Mitglied einer großen Firma. Er erklärt dem Sprecher der Verwaltung, was eine bestimmte Gruppe oder ein einzelnes Mitglied der Firma von einer bestimmten Angelegenheit hält. Der Sprecher hört ihn höflich an und bittet um Geduld, bis er die Sache der Konferenz vorgelegt hat, die dann entscheiden wird. Das ist kein Märchen, sondern beschreibt die Dienststruktur von AA. Der ‚Verwaltungssprecher‘ ist ebenso einer von uns wie der GDV. Er leitet die Anfragen und Anregungen aus der Gruppe an die jeweils nächste Dienstebene weiter und entlastet so unseren Gruppensprecher. Beide Freunde arbeiten vertrauensvoll zusammen; beim Meeting der Region übt der Gruppensprecher das Stimmrecht aus.

Mit Hilfe dieser drei Wege kann unser neuer Gruppensprecher seine Dienstzeit – er ist gewählt für sechs Monate oder ein Jahr, so wie es die Gruppe vereinbart hat – dazu nutzen, seine Erfahrung, Kraft und Hoffnung mit den Freunden in seiner Gruppe und den ‚Neuen‘, die mit der Bitte um Hilfe vor der Tür stehen, zu teilen. Wahrscheinlich wird er nach Ablauf seiner Dienstzeit feststellen, wie gut ihm selbst dieser Dienst getan hat.

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