Ausgabe 05

Rundschreiben an Fachleute

Ausgabe 05, Herbst 2002

AA – was verbinden SIE mit diesen beiden Buchstaben?

Unsere Präambel

Anonyme Alkoholiker sind eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die miteinander ihre Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen, um ihr gemeinsames Problem zu lösen und anderen zur Genesung vom Alkoholismus zu verhelfen.

Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören.

Die Gemeinschaft kennt keine Mitgliedsbeiträge oder Gebühren, sie erhält sich durch eigene Spenden.

Die Gemeinschaft AA ist mit keiner Sekte, Konfession, Partei, Organisation oder Institution verbunden; sie will sich weder an öffentlichen Debatten beteiligen, noch zu irgendwelchen Streitfragen Stellung nehmen.

Unser Hauptzweck ist, nüchtern zu bleiben und anderen Alkoholikern zur Nüchternheit zu verhelfen.

Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren,

wir sind sicher, dass Sie schon von den Anonymen Alkoholikern gehört haben. Aber wir fürchten, dass Ihnen zu dieser ebenso erfolgreichen wie mysteriösen Gemeinschaft leider noch immer mehr Fragen als Antworten einfallen.

Das hat vor allem mit dem Prinzip der Anonymität zu tun, das die Mitglieder der Gemeinschaft zu ihrem eigenen Schutz dazu verpflichtet, nicht öffentlich hervorzutreten. „Unsere Beziehungen zur Öffentlichkeit stützen sich mehr auf Anziehung als auf Werbung“, haben die Gründer der Gemeinschaft vor gut sechzig Jahren festgelegt, „deshalb sollten wir auch gegenüber Presse, Rundfunk, Film und Fernsehen stets unsere persönliche Anonymität wahren.“

Das heißt aber nicht, dass AA medienfeindlich wäre, im Gegenteil. Ohne ihre unzähligen guten Freunde hätte die Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker nicht so schnell wachsen können. Weil Medien in der ganzen Welt die AA ausführlich und positiv darstellen, kommen viele Alkoholiker zu uns.

Viele berufen sich auf Presseberichte, wenn sie Hilfe suchend in Dienst- und Kontaktstellen der AA oder in Privatwohnungen von Freunden anrufen. Einer sagt: „Ich habe einen Artikel in der Zeitungen gelesen …“, ein anderer: „wir hörten eine Sendung im Radio …“, ein dritter: „ich habe im Fernsehern eire Sendung über AA gesehen …“ Wieder andere haben über Bücher, Filme oder aus dem Internet von AA erfahren. Das zentrale Dienstbüro unserer Gemeinschaft in New York ist sicher, „dass die Hälfte der Anonymen Alkoholiker durch solche Kanäle uns zugeleitet worden sind“.

Es gehört zu den vielen Mirakeln dieser weltweiten Gemeinschaft, dass AA rapide gewachsen ist, ohne sich in den Prinzipien und im Geist zu verändern. Die Anonymen Alkoholiker, sind eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die einander dabei unterstützen, ihre eigenen Probleme mit dem Alkohol in den Griff zu kriegen und anderen Alkoholikern zur Trockenheit zu verhelfen. AA-Gruppen gibt es in 147 Ländern, in Deutschland existieren zurzeit etwa 2.060 Gruppen.

Ihre Wirksamkeit beruht auf der simplen Erfahrung des amerikanischen Börsenmaklers Bill Wilson und des Arztes Bob Smith, die einander 1935 vorn Trinken abhielten, indem sie „Erfahrung, Kraft und Hoffnung“ miteinander teilten – das heißt: sie redeten und redeten und redeten, jeder über sich und sein Problem. Das half ihnen, das erste Glas stehen zu lassen. Und damit die zwanghaft folgenden auch.

Der Kreis wuchs. Ihr Erfolg – auch und gerade bei scheinbar hoffnungslosen Säufern – sprach sich herum. AA wurde zu einem Lieblingskind der Presse – nicht zuletzt wegen des scheinbaren Widerspruchs, dass die Gemeinschaft zwar eine Erfolgsstory ist, der aber zugleich alles fehlt, was eine knallige Geschichte im Medienzeitalter ausmacht: berühmte Namen, dramatische Abläufe, verlässliche Zahlen und eine überschaubare Organisation.

Das ist eine paradoxe Situation. Einerseits trägt vielleicht gerade die Mischung aus schlichter Lebenshilfe und schwer erklärbaren Erfolgen, von öffentlicher Attraktivität und scheuer Zurückhaltung, von weltweiter Verbreitung und lokaler Unaufdringlichkeit zur Attraktivität von AA bei. Andererseits erwecken diese Widersprüche auch Argwohn und Unbehagen.

Deshalb dieser Brief: Es ist uns natürlich nicht verborgen geblieben, dass der Gemeinschaft bisweilen heute noch der Ruf anhängt, eine Art Sekte oder religiöse Geheimgesellschaft zu sein. Wir sind uns bewusst, dass wir wohlwollende Hilfe und Unterstützung der Medien und aller Berufsstände benötigen, die sich mit Sucht befassen, um alkoholkranke Menschen mit unserem Angebot zu erreichen.

Aus Angst um die persönliche Anonymität und aus Sorge, die Grenze zur Werbung zu überschreiten, neigen wir dazu, die Informationen über unser Programm und unsere Hilfe für Alkoholiker auf zu enge Kreise zu beschränken. So informieren, It. unserer letzten Umfrage 2001, zwar 85% der Betroffenen ihren Hausarzt über ihre Zugehörigkeit zur AA. Aber sonst erreicht die Information über uns immer noch zu wenig Multiplikatoren und Betroffene.

Deshalb wollen wir uns als Gemeinschaft verstärkt Presse, Funk und Fernsehen öffnen, um Informationen zu verbreiten. Wir bedanken uns für Ihre bisherige Unterstützung und bitten Sie, auch in Zukunft ein offenes Ohr für uns zu haben. Jeder Hinweis auf unsere Gemeinschaft ist eine Hilfe, Sie können sicher sein, dass wir alle Ihre Anfragen im Rahmen unserer Möglichkeit beantworten.

Wir brauchen Sie, um die Menschen zu erreichen, die ein Alkoholproblem haben. Deren Zahl ist in letzter Zeit nicht geringer geworden. Alkoholismus ist eine Volkskrankheit, an der allein bei uns in Deutschland im Jahr 42.000 Menschen sterben.

Es sind aber nicht nur die Medien, die den Anonymen Alkoholikern zu ihrer weltweiten Verbreitung und zu ihrem Wachstum verholfen haben und ihnen immer noch hilfreich zur Seite stehen. Ohne Freunde aus der Ärzteschaft, den Kliniken, den konfessionellen Hilfswerken, dem therapeutischen Bereich und hilfsbereiten Mitmenschen aus allen Berufen und Lebensbereichen hätte die Gemeinschaft nie diese Verbreitung erfahren.

Menschen, die sich beruflich mit Suchterkrankungen befassen, sind wichtige Ansprechpartner für AA. Wir gehen auf sie zu, um sie über unsere persönlichen Erfahrungen mit der Trockenheit bei den Anonymen Alkoholikern zu unterrichten. Wir haben viel zu erzählen vom Leben mit und ohne Alkohol und von einem Programm, das Lebenshilfe für jeden sein kann. AA behauptet nicht, dass dies der einzige Weg aus der Alkoholkrankheit sei. Wir geben nur unsere Erfahrung weiter über das, was uns selbst geholfen hat.

Wir veranstalten auch öffentliche Informationsmeetings, bei denen trockene Alkoholiker über ihre Genesung berichten. Oft sprechen auch Angehörige von ihren Erfahrungen. In Krankenhäusern, Betrieben und Schulen bieten die AA ihre Mitwirkung bei der Information über die Alkoholsucht an.

Diese Beispiele mögen Ihnen exemplarisch zeigen, dass AA-Mitglieder zwar ihre persönliche Anonymität wahren, dass die Gemeinschaft aber keineswegs die Öffentlichkeit scheut. Es werden sich immer Wege finden lassen, unsere Arbeit in den Medien darzustellen, ohne unsere Prinzipien zu verletzen.

Mit freundlichen Grüßen

Anonyme Alkoholiker
Interessengemeinschaft e.V.

Allgemeine Hinweise: AA-Informationsveranstaltungen

Die Anonymen Alkoholiker nutzen seit vielen Jahren die Möglichkeit, bei Kongressen, in Schulen, Betrieben oder bei Organisationen, die sich beruflich mit Alkoholismus befassen, über ihr Programm zu informieren. Wenn Sie Interesse an einer Präsentation haben, informiert Sie gerne unser Dienstbüro in Dingolfing oder die unten angegebene Kontaktadresse.

Wenn Sie Kontakt zu AA suchen oder einfach mehr wissen wollen, schreiben Sie uns bitte!

aa-kontakt@anonyme-alkoholiker.de

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