Ausgabe 04

Rundschreiben an Fachleute

Ausgabe 04, Herbst 2001

Zusammenarbeit der Anonymen Alkoholiker
mit anderen Institutionen und Organisationen

„Heute begrüßen die meisten von uns jede neue Erkenntnis, die die rätselhafte und schlimme Krankheit Alkoholismus beleuchtet. Wir begrüßen jedes neue und wertvolle Wissen, ob es vom Bildschirm, von der Couch eines Psychiaters oder aus Gesundheitsuntersuchungen stammt. Wir freuen uns über jede sachliche Aufklärung der Öffentlichkeit, die die alte Voreingenommenheit gegen den Trinker abbaut.

Wir betrachten alle diejenigen, die auf dem Gebiet des Alkoholismus tätig sind, als unsere Gefährten auf dem Weg vom Dunkel ins Licht. Wir sehen ein, dass wir zusammen das erreichen können, was getrennt oder in Rivalität nicht möglich wäre.“

Dieser Ausspruch von unserem Mitbegründer Bill W. hat heute vielleicht mehr denn je seine Gültigkeit, denn die wohlwollende und konstruktive Zusammenarbeit mit Ihnen, den Fachleuten, ist für die Anonymen Alkoholiker notwendig und hilfreich. Jede Institution, Organisation und all die Menschen, die auf dem Gebiet des Alkoholismus tätig sind haben das gemeinsame Ziel, alkoholkranken Menschen zu helfen. Dieses gemeinsame Ziel verbindet nicht nur, sondern lädt auch zu gemeinsamen Aktivitäten ein.

Der Beitrag der AA beschränkt sich auf die Erfahrungen der Gründer der Gemeinschaft, die sie in den „Zwölf Schritten“ niederlegten. Außerdem kann jeder sein Wissen weitergeben, das er aus eigenen Erfahrungen mit der Krankheit gewonnen hat. Wir AA geben die Botschaft weiter, dass es möglich ist, bei Einhaltung der Empfehlungen der „Zwölf Schritte“ nüchtern und zufrieden leben zu können. Für die Weitergabe dieser Botschaft benötigen wir Ihre Hilfe in Form von Zusammenarbeit.

Zusammenarbeit ja – Zusammenschluss nein

In unserer Präambel heißt es: „Die Gemeinschaft AA ist mit keiner Sekte, Konfession, Partei, Organisation oder Institution verbunden.“ Dieser Satz gibt einen Teil unserer Zwölf Traditionen wieder, die aus vielen Erfahrungen entstanden sind und die das Überleben und Weiterbestehen der Gemeinschaft sichern sollen. Zur Einhaltung dieser Traditionen gehört unter anderem, dass wir uns mit niemandem zusammenschließen. So ist uns zum Beispiel der Beitritt als Mitglied in eine Arbeitsgemeinschaft für Sucht nicht möglich. Wir erheben für uns den Anspruch, selbständig und unabhängig zu sein. Dieser Wunsch wird allgemein respektiert, schließt aber eine Zusammenarbeit bzw. informelle Mitwirkung bei Aktivitäten nicht aus, wie z.B. die Beteiligung an gemeinsamen Informationsveranstaltungen.

Betroffene berichten über ihre persönliche Erfahrung mit der Krankheit Alkoholismus bei Ärztetagungen oder in Institutionen, die sich mit der Behandlung von Alkoholkranken befassen. Dabei wird selbstverständlich nie Anspruch auf eine wie auch immer geartete Fachkompetenz erhoben. Der Anonyme Alkoholiker hat nur eine einzige Qualifikation, um Betroffenen zu helfen: seine persönliche Erfahrung mit der Krankheit.

Zusammenarbeit bei der Aufklärung

Die Aufklärung über die Krankheit Alkoholismus ist Aufgabe der Gesellschaft, insbesondere der hierfür ausgebildeten Fachleute. Die AA können keine „professionelle“ Beratung leisten. Sie arbeiten auf diesem Gebiet mit Institutionen und wohlgesonnenen Freunden zusammen, indem sie die Erfahrung ihrer persönlichen Genesung weitergeben.

Das gemeinsame Ziel der Aufklärung kann kein Konkurrenzdenken kennen. Wir sind jederzeit zur Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, staatlichen Stellen und anderen Selbsthilfegruppen bereit. Hier können wir unsere Erfahrungen bei Informationen in Schulen, Krankenhäusern, psychiatrischen Kliniken, Justizvollzugsanstalten und anderen Institutionen einbringen. Eine besondere Rolle bei der Aufklärungsarbeit über die Krankheit und unsere Gemeinschaft spielen auch unsere Freunde, die Nichtalkoholiker, indem sie uns weiterempfehlen.

Zusammenarbeit bei der Genesung

Noch lange nicht jeder alkoholkranke Mensch schafft es, mit Hilfe einer Selbsthilfegruppe trocken zu werden. Viele benötigen die Hilfe eines Arztes, verbunden mit einer Therapie. Die Anonymen Alkoholiker unterhalten keine Therapieeinrichtungen oder Kliniken und sind auch nicht an solchen Einrichtungen beteiligt. Eine Zusammenarbeit bietet sich hier aber an, wenn die persönliche Lebensgeschichte und Erfahrung eines trockenen Alkoholikers dem Fachmann für seinen Patienten hilfreich erscheinen. Der Hausarzt schickt seine Patienten mit Alkoholproblemen vielleicht in ein AA-Meeting. In Krankenhäusern werden oft Informationsmeetings oder regelmäßig AA-Meetings angeboten.

Zusammenarbeit von Anonymen Alkoholikern mit anderen Institutionen

Es gibt natürlich auch Anonyme Alkoholiker, die beruflich auf dem Gebiet der Sucht tätig sind, zum Beispiel als ausgebildete Therapeuten in einer Suchtklinik oder als Suchtberater in einem Betrieb. Sie sind hier aber weder für AA noch als Anonyme Alkoholiker tätig. Sie bringen nur die eigene Erfahrung auf diesem Gebiet in ihre berufliche Tätigkeit ein. Diesen Beruf führen sie als Person aus, die sich mit dem Problem des Alkoholismus beschäftigt und nicht als offizieller Vertreter von AA.

Wie Zusammenarbeit funktionieren kann

Eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit beruht auf gegenseitigem Verständnis und Vertrauen. Der Mitbegründer unserer Gemeinschaft , Bill W., sage dazu unter anderem:

„Um mehr Alkoholiker erreichen zu können, müssen das Verständnis für die Anonymen Alkoholiker und die öffentliche Meinung über den Anonymen Alkoholiker besser werden. Es ist erforderlich, dass wir ein besseres Verhältnis zu Medizin, Religion, zu Arbeitgebern, Regierungsstellen, Gerichten, Gefängnissen, Heilstätten und zu allen Einrichtungen auf dem Gebiet des Alkoholismus schaffen.“

Die Gemeinschaft der AA sucht die Zusammenarbeit mit Ihnen, den Fachleuten. Wir respektieren alle Bemühungen der Medizin, Psychiatrie, Soziologie oder kirchlicher Einrichtungen, die sich mit der Hilfe für noch trinkende alkoholkranke Menschen befassen.

Die AA bieten Ihnen an, Ihre Arbeit unterstützend zu begleiten. Zwar mag das Einbringen der persönlichen Erfahrungen nur als kleiner Beitrag erscheinen, oft ist aber gerade dies der rettende Strohhalm für die Hilfesuchenden und für Sie möglicherweise eine Brücke im Zugang zum Patienten. Wenn Sie unser Angebot zur Kooperation interessiert, wenden Sie sich bitte an unser Dienstbüro, wir setzen uns umgehend mit Ihnen in Verbindung. Unsere einzige „Bedingung“ ist, dass unser Wunsch nach Unabhängigkeit respektiert wird. Wir sind der Überzeugung, dass wir nur so unseren Hauptzweck erfüllen können: „Nüchtern zu bleiben und anderen Alkoholikern zur Nüchternheit zu verhelfen“:

Falls Sie kritische Anmerkungen zur Zusammenarbeit mit uns haben oder besondere Wünsche für die Zukunft, schreiben Sie uns, Ihre Meinung ist uns wichtig, wir brauchen Ihr Verständnis und Ihre Hilfe.

Allgemeine Hinweise: AA-Informationsveranstaltungen

Die Anonymen Alkoholiker nutzen seit vielen Jahren die Möglichkeit, bei Kongressen, in Schulen, Betrieben oder bei Organisationen, die sich beruflich mit Alkoholismus befassen, über ihr Programm zu informieren. Wenn Sie Interesse an einer Präsentation haben, informiert Sie gerne unser Dienstbüro in Dingolfing oder die unten angegebene Kontaktadresse.

Wenn Sie Kontakt zu AA suchen oder einfach mehr wissen wollen, schreiben Sie uns bitte!

b_kontgdb  aa-kontakt@anonyme-alkoholiker.de

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